Podiumsdiskussion: Brunsbüttel - Ein Kohlekraftwerk macht blau?Klimaschutzgründe legen eine umfassende Umstellung der Energieerzeugungsstruktur nahe. Dabei müssen die Akteure des Energiemarktes jedoch unter den vorgegebenen ökonomischen Rahmenbedingungen handeln. Am 2. März diskutierten im Audimax der Universität Tübingen Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Politik und Zivilgesellschaft am Beispiel der Stadtwerke Tübingen und ihrer Investition in das Steinkohlekraftwerk Brunsbüttel, wie eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Strategie aussehen kann.
Diskussionsteilnehmer:
Das Projekt Steinkohlekraftwerk BrunsbüttelDer Stadtwerke-Verbund SüdWestStrom will im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel ein Steinkohlekraftwerk errichten. Mit 1.800 Megawatt elektrischer Gesamtleistung ist es das derzeit größte Steinkohle-Kraftwerksprojekt in Deutschland. Der Erwerb von Eigenerzeugungskapazität soll die Abhängigkeit der Stadtwerke von den großen Erzeugern verringern und so ihre Wettbewerbsposition auf dem oligopolistisch geprägten Energiemarkt stärken. Auch die Stadtwerke Tübingen sind mit Unterstützung des Tübinger Gemeinderats und OB Palmer an dem Projekt beteiligt. Doch veränderte Rahmenbedingungen lassen Zweifel an der Rentabilität des Projekts aufkommen: Im Rahmen des EU-Emissionshandels müssen Kraftwerke ab 2013 100% der benötigten Emissionszertifikate ersteigern. Namenhafte Wirtschaftswissenschaftler haben sich in einer Erklärung aus finanziellen und klimapolitischen Riskiken gegen den Neubau von Kohlekraftwerke ausgesprochen. Zudem ist speziell der Standort Brunsbüttel an der Unterelbe als Einspeisepunkt für Offshore-Windstrom vorgesehen. Der Strom des Kohlekraftwerks wird mit dem vorrangig eingespeisten Windstrom um die begrenzte Netzaufnahmekapazität konkurrieren. Laut einer Studie kann das Kraftwerk nur mit deutlich weniger Volllaststunden im Jahr betrieben werden als von den Investoren ursprünglich erwartet. Wie wirtschaftlich und energiepolitisch sinnvoll die Investition der Stadtwerke in ein neues Kohlekraftwerk ist, diskutierten Entscheidungsträger, Wissenschaftler und Betroffene.
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