Vorträge im Sommersemester 2009Im Sommersemester fand die dritte Vortragsreihe im Rahmen des Arbeitskreises statt. Auf dieser Seite befindet sich die Dokumentation zu den Vorträgen. Folien zu den Vorträgen gibt es nach Login hier.
27. April: Auswirkungen von Klimakatastrophen in der MenschheitsgeschichteReferent: ChristophDas Klima hat sich in der Menschheitsgeschichte ständig verändert, zum Teil mit dramatischen Folgen. So haben Klimaschwankungen in der Geschichte zum Zusammenbruch ganzer Hochkulturen geführt. Der Vortrag behandelte den Einfluss von Klimaveränderungen auf die Entwicklung von Gesellschaften in der Vergangenheit. Die heute vom Menschen verursachten globalen Veränderungen übertreffen deutlich die historischen Klimaphänomene. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten wir, wie der Klimawandel des 21. Jahrhunderts das Schicksal der Menschheit in Zukunft prägen könnte. 04. Mai: CO2-Senkung durch Eisendüngung der Ozeane?Referentin: MarenLässt sich der Klimawandel aufhalten, indem man die Ozeane mit Eisen düngt? Ein höherer Eisengehalt der an diesem Nährstoff armen Ozeane regt das Algenwachstum an, mehr Algen fixieren mehr CO2 aus der Atmosphäre, die Klimaerwärmung geht zurück und eines der aktuell größten Probleme der Menschheit ist gelöst. In der Theorie klingt dieser Ansatz gleichermaßen plausibel wie verlockend, doch bewährt er sich auch in der Praxis? Nach einer Erläuterung der Hintergründe der Eisenhypothese und einer Zusammenfassung der bisher durchgeführten Eisendüngungsexperimente diskutierten wir diese Fragen und versuchten gemeinsam Antworten zu finden. 11. Mai: Reisebericht AntarktisReferentin: KristinaDer Tourismus in der Antarktis ist zu einem sehr medienpräsenten und vieldiskutierten Thema geworden. Stetig steigende Touristenzahlen, neue Meldungen über weitere Schiffsunglücke in antarktischen Gewässern und die noch fehlenden Langzeitstudien zur Auswirkung des Tourismus auf das empfindliche Ökosystem der Antarktis wecken die Bedenken vieler Experten. Kristinas Vortrag näherte sich diesem Thema und der Antarktis als Kontinent allerdings von einer anderen Seite, nämlich aus Sicht einer Touristin. Auf der Suche nach einem Mittelweg, oder mit einem „Locken und Warnen“, wie es in einem Reisehandbuch über die Antarktis steht, schilderte Kristina einerseits das faszinierende Reiseziel Antarktis, Erlebnisse und Erfahrungen, die einzigartig waren, während sie andererseits die negativen, gefährdenden Aspekte nicht aus den Augen verlieren wollte. Ihr Ziel war es, die Antarktis, ihre Bedeutung und Sonderstellung als einzig großräumig intaktes Ökosystem dieser Erde darzustellen, ein Gefühl für sie zu schaffen und zu veranschaulichen, was den sechsten Kontinent auszeichnet. 18. Mai: Carbon LeakageReferentin: Marie
1) Emissionen können verlagert werden an einen Ort, wo der Ausstoß billiger ist - durch Produktionsverlagerung oder „schleichend“ durch einen schrittweisen Ersatz von Eigenproduktion und Importe. In der Praxis stoßen wir auf viele Ungereimtheiten. Angeblich hat Deutschland den CO2-Gehalt seiner Exporte über die Jahre kontinuierlich gesenkt. Gleichzeitig steigen die CO2-Exporte aus China rasant an, vor allem in Richtung entwickelter Länder. Über welche Handelsströme das in Gütern eingebettete CO2 derzeit über den Globus verteilt wird, ist noch ein großes Rätsel. Dennoch gibt es Indizien, dass das Problem existiert - und viele Lösungsvorschläge. Multilaterale globale Ansätze, wie sektorale Abkommen auf Industrieebene und natürlich das ersehnte umfassende globale Klimaschutzabkommen, versprechen das beste Ergebnis, sind aber schwer durchzusetzen. In der EU findet daher die Industrielobby mit ihren unilateralen Vorschlägen Gehör: Die kostenlose Zuteilung von Emissionsberechtigungen soll den gefährdeten Industrien helfen. Diese Maßnahme behebt aber noch nicht die klimarelevanten Probleme 1) und 2). Das könnten möglicherweise Strafzölle auf emissionsintensive Einfuhrgüter, die jedoch innerhalb der WTO kritisch zu sehen sind. Was bleibt? Die Frage, wo Güter produziert werden, und wo sie konsumiert werden. Nicht nur aufgrund des Welthandels, sondern aus Anreiz- und ethischen Gründen wäre es vernünftiger, den Konsumenten direkt seinen CO2-Verbrauch zahlen zu lassen. Doch die Praktikabilität dieses Ansatzes wurde in der Gruppendiskussion mehrheitlich angezweifelt. Fazit: Zum Thema Carbon Leakage gibt es mehr offene Fragen als Antworten. Es bleibt nur zu hoffen, dass der EU-Emissionshandel wenigstens seine Funktion als Prototyp eines faszinierenden Konzeptes erfüllt und zur Nachahmung auf globaler Ebene anregt. 08. Juni: Länderstudie IndienReferentin: JuliaIndien ist mit 1,2 Mrd. Menschen das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde und die größte Demokratie der Welt. Sie kämpft gegen Terrorismus, Armut, Korruption und nun auch den Klimawandel. Statt des verlässlichen Monsunregens ergeben sich nun unregelmäßige, meist erhöhte Niederschläge, die vor allem die Landwirtschaft im Süden belasten, wo jetzt selbst außerhalb der El-Nino-Jahre keine Gleichmäßigkeit mehr stattfindet. Im Norden leidet die Bevölkerung dagegen verstärkt unter monatelanger Trockenheit, was im urbanen Bereich die Nutzung von Klimaanlagen so enorm in die Höhe treibt, dass es in städtischen Randgebieten und auf dem Land keinen Tag ohne stundenlange Stromausfälle gibt. Diese Energieengpässe stellen die Regierung vor schwierige Aufgaben: Einerseits will man auch die verbleibenden 56% der Bevölkerung an das Stromnetz anschließen, andererseits gibt es schon jetzt nie genug Energie für alle. Da bis auf die Bergregion im Norden das ganze Land subtropisches Klima hat, sieht man die größte Chance in der Nutzung von Wind und Sonne, jedoch erfordert das Intensivierung der Forschung und Investitionsgelder, die in diesem Umfang derzeit nicht vorhanden sind. Man setzt daher vorerst besonders auf heimische Kohle und den Import von Öl, was jedoch extreme Abhängigkeit von Nachbarstaaten wie Pakistan und China zur Folge hat. Auch die Bevölkerung stellt die Regierung vor Probleme, denn es gibt nur wenig Bewusstsein für Umweltfreundlichkeit. Recycling ist bei 1,2 Mrd. Menschen schwer umsetzbar, daher wird Müll in der Regel verbrannt oder vergraben. Der Autoabsatz liegt derzeit bei 2%, die aktuellen 10 Mio. Fahrzeuge auf indischen Straßen werden bis 2035 auf 200 Mio. angewachsen sein. Öffentliche Verkehrsmittel werden stark frequentiert und sind oft überfüllt- es werden also Investitionen in allen Gebieten gefordert. Die Regierung stellt daher Ansprüche an die Industriestaaten, sie in ihren Aufgaben durch Know-How und Gelder zu unterstützen. Sie wurde aufgefordert, bis 2035 die Emissionen um 9,7% zu senken, was etwa 2,5 Billionen US-Dollar kosten würde. Durch mehr Kooperation könnte dieses Ziel erreicht werden, indem man effizientere Wege findet, Energie zu nutzen, erneuerbare Energien subventioniert und Produktions- und Konsumgewohnheiten ändert. 15. Juni: Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)Referent: Jonathan
Neben der hohen gesellschaftspolitischen Akzeptanz regenerativer Energien ist die politische Entwicklung der Energiepolitik in den letzten zwanzig Jahren maßgeblich für den Erfolg der deutschen Photovoltaik-Industrie. So ist durch eine zielstrebige Umsetzung politischer Maßnahmen ein „attraktiver Photovoltaikmarkt und weltweit führender Solarindustriestandort“ entstanden. Die mit dem Stromeinspeisegesetz zu Beginn der 90er begonnene neue Energiepolitik erreichte mit der Verabschiedung des Erneuerbaren Energien Gesetzes im April 2000 ihren endgültigen Durchbruch. Selbst positive Schätzungen von Befürwortern über die Entwicklung des erneuerbaren Energiemarktes und Prognosen über die Diffundierung neuer Technologien sind deutlich übertroffen worden. Das Gesetz durchbricht ein Paradox, das lautet: wirtschaftliches Wachstum und Klimaschutz schließen sich gegenseitig aus. Seit dem Jahr 2000 stieg der Umsatz allein in der deutschen Photovoltaik-Industrie von 201 Millionen Euro auf über sieben Milliarden Euro, etwa 10.000 Unternehmen beschäftigen über 48.000 (2004: 17.000) Menschen. Gleichzeitig konnten durch die Installation zahlreicher PV-Anlagen etwa 2.101.000t CO2 eingespart werden. Dies entspricht für das Jahr 2008 einer Leistung von 5.308 MWp oder der Leistung von etwa zehn modernen Kohlekraftwerken. Der Anteil der durch erneuerbare Energien erzeugten Strommenge am Endenergieverbrauch ist im Jahr 2007 auf 9,8% gestiegen, der Anteil am Stromverbrauch beträgt sogar 14,3%. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist dies mehr als eine Verdoppelung (Anteil 2000: 3,8%). Bis zum Jahr 2020 soll die aus regenerativen Quellen erzeuge Energiemenge auf 30% ansteigen. Die größte Bedeutung haben hierbei die Windenergie (2007: 6,4%), aus Wasserkraft gewonnene Energie (2007: 3,4%) sowie biogene Brennstoffe (1,4%). Die durch Photovoltaik ins Netz eingespeiste Strommenge ist dagegen vergleichsweise gering: nur 0,5% des Stromes sind 2007 mit Hilfe der Sonne erzeugt worden, das entspricht einem Anteil von 3,5% an der durch alle erneuerbare Energien bereitgestellten Strommenge. 29. Juni: Kampf gegen Wetter und Klima? Wettermodifikation und Geoengineering in kulturgeschichtlicher PerspektiveReferent: Boris„Wetter- und Klimaveränderung“ hatten nicht immer den bedrohlichen Beiklang, der heute vor allem auf die CO2-induzierte Erderwärmung verweist und mit apokalyptischen Zukunftsszenarien droht. In den 1950er und 1960er Jahren versuchten sowohl die UdSSR als auch die USA durch gezielte Beeinflussung des Wetters den Kampf gegen die widrige Natur aufzunehmen. Bald beherrschten auch planetarische Umgestaltungsvisionen von „Saturnringen“ und Staudämmen in der Bering-Straße das Denken von Meteorologen und Geophysikern. Erst in den 1970er Jahren entdeckten sie die „unintendierte Klimaveränderung“ und öffneten damit den Weg in den heutigen Diskurs. Angesichts einer Erderwärmung, die dramatischer und schneller abläuft als erwartet, bringen Forscher nun immer wieder das Geoengineering ins Spiel, das auch an die Forschung zu Wetter- und Klimamodifikation anknüpft. Der Vortrag wird auf ereignis-, institutionen- und kulturgeschichtliche Aspekte des Themas eingehen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||